Art to See: Die Ausstellungen, die wir diesen Herbst in der Schweiz nicht verpassen würden
Ab Mitte Oktober wird es in den Schweizer Museen interessant. Nicht, weil plötzlich überall Blockbuster-Ausstellungen eröffnen, sondern weil das Programm ungewöhnlich gut zwischen grossen Namen, neuen Perspektiven und einigen Positionen liegt, die man nicht ohnehin ständig sieht.
Von Zürich über Basel bis Lausanne: Das ist unser Edit für die kommenden Wochen – für einen freien Sonntagnachmittag, einen Basel-Trip oder den nächsten Novembertag, an dem draussen ohnehin wenig dagegen spricht, ins Museum zu gehen.

Zürich: Maria Lassnig & Edvard Munch
Kunsthaus Zürich · bis 21. Februar 2027
Edvard Munch kennt man. Maria Lassnig vielleicht auch. Zusammen hat man die beiden bisher allerdings noch nicht gesehen.
Das Kunsthaus bringt ihre Arbeiten erstmals direkt miteinander in Dialog. Rund 150 Werke zeigen, wie ähnlich sich beide mit Körper, Wahrnehmung, Emotion und inneren Zuständen beschäftigt haben – obwohl mehr als ein halbes Jahrhundert zwischen ihnen liegt. Interessant wird es vor allem dort, wo Munch plötzlich weniger historisch und Lassnig weniger zeitgenössisch erscheint. Eine Ausstellung, bei der die Gegenüberstellung tatsächlich etwas verändert.
(Quelle: Kunsthaus Zürich)
Last chance: Vilhelm Hammershøi

Wer Hammershøi noch sehen möchte, hat nur noch bis 25. Oktober Zeit. Leere Räume, gedämpftes Licht, Türen, Rückenfiguren – Bilder, in denen fast nichts passiert und gerade deshalb erstaunlich viel hängen bleibt. Das Kunsthaus zeigt die erste umfassende Museumsausstellung des dänischen Malers in der Schweiz.
(Quelle: Kunsthaus Zürich)

Zürich: The Body Within Abstraction
Museum Haus Konstruktiv · bis 10. Januar 2027
Abstraktion klingt zunächst nach Linie, Fläche und Geometrie. The Body Within Abstraction setzt an einem anderen Punkt an: beim Körper.
Zum 40-jährigen Bestehen versammelt das Haus Konstruktiv Arbeiten von unter anderem Heidi Bucher, Eva Fàbregas, Kimsooja, Bruce Nauman, Chiharu Shiota und Franz West. Damit wird die Ausstellung räumlicher, materieller und körperlicher, als man es mit dem Begriff «konstruktiv» vielleicht spontan verbinden würde. Auch ein guter Anlass, den noch relativ neuen Standort im Löwenbräukunst-Areal wieder einmal zu besuchen.
(Quelle: Museum Haus Konstruktiv)
Riehen: Ruth Asawa

Fondation Beyeler · 18. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027
Eine der Ausstellungen, die wir für diesen Herbst tatsächlich vormerken würden.
Die Fondation Beyeler zeigt die erste Retrospektive Ruth Asawas in Europa. Im Mittelpunkt stehen ihre charakteristischen Drahtskulpturen – transparente Körper, die gleichzeitig Volumen besitzen und den Raum um sich herum sichtbar lassen. Dazu kommen Zeichnungen, Druckgrafiken, Gemälde, Bronzen und Arbeiten für den öffentlichen Raum.
Asawas Werk bewegt sich selbstverständlich zwischen Kunst und Handwerk, Disziplin und Leichtigkeit. Vielleicht wirkt es gerade deshalb heute so zeitgemäss.
Und wenn man schon dort ist: Constellations ist fast genauso relevant. Mit der Ausstellung eröffnet die Fondation ihr erweitertes Ensemble inklusive des neuen Wyss Museum von Peter Zumthor. Rund 230 Werke verteilen sich über die Gebäude und den Park – von Monet und Picasso über Giacometti und Rothko bis Louise Bourgeois und Wolfgang Tillmans. Architektur ist hier nicht nur Kulisse, sondern Teil des Besuchs.
(Quelle: Fondation Beyeler)

Basel: Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet
Kunstmuseum Basel · bis 7. Februar 2027
Der Titel klingt fast ein wenig zu gut, funktioniert aber.
Im Zentrum steht Gertrud Dübi-Müller: Sammlerin, Fotografin, Bergsteigerin, Autofahrerin und eine Persönlichkeit, die sich erstaunlich selbstverständlich durch die europäische Kunstwelt ihrer Zeit bewegte.
Die Ausstellung versammelt rund 80 Werke aus ihrem Umfeld und ihrer Sammlung – darunter Van Gogh, Cézanne, Klimt, Giacometti und Hodler – zusammen mit Fotografien, Briefen und persönlichen Dokumenten. Spannend ist weniger das klassische «grosse Namen»-Prinzip als die Frau dahinter: Wer sammelte diese Arbeiten eigentlich, wie entstanden die Beziehungen und welche Rolle spielte sie selbst innerhalb dieses Netzwerks?
Wer danach noch nicht genug hat: Im selben Haus läuft mit Roy Lichtenstein: Sweet Dreams, Baby! eine konzentrierte Schau seiner Druckgrafik mit rund 50 Arbeiten.
(Quelle: Kunstmuseum Basel)
Bern: Reise in die Freiheit
Kunstmuseum Bern · 30. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027
Capri. Skagen. Monte Verità.

Drei Orte, die zwischen 1830 und 1930 Menschen anzogen, die weg wollten: aus industrialisierten Städten, aus gesellschaftlichen Konventionen, hin zu Natur, Gemeinschaft und einem vermeintlich authentischeren Leben.
Reise in die Freiheit betrachtet diese Künstlerkolonien aber nicht nur romantisch. Neben idealisierten Landschaften zeigt die Ausstellung auch Arbeit, Armut und jene Realität, die hinter den Sehnsuchtsbildern lag.
Vielleicht ist genau das der interessante Teil: Viele der Fragen – Naturverbundenheit, alternative Lebensformen, Selbstbestimmung – wirken plötzlich erstaunlich gegenwärtig.
Ebenfalls sehenswert ist Franz Gertsch. Blow-Up (Part I). Die Retrospektive in Bern zeigt sechs Jahrzehnte seines Schaffens und funktioniert besonders gut für alle, die sich für die Grenze zwischen Fotografie und Malerei interessieren.
(Quelle: Kunstmuseum Bern)

Lausanne: Ted Joans: Black Flower
MCBA · bis 28. Februar 2027
Vielleicht der weniger offensichtliche Pick dieser Auswahl.
Das MCBA widmet Ted Joans seine erste monografische Ausstellung. Der amerikanische Künstler und Dichter bewegte sich zwischen Surrealismus, Jazz, Panafrikanismus und Black Power – und genauso wenig eindeutig lässt sich sein Werk einordnen.
Neben Literatur und Poesie entstanden Zeichnungen, Collagen und experimentelle Filme, von denen vieles bislang kaum öffentlich wahrgenommen wurde. Black Flower ist deshalb weniger eine weitere Ausstellung eines etablierten Kanonnamens als eine Gelegenheit, eine eigenständige Position neu zu entdecken.
Und: Danach ist man ohnehin schon auf der Plateforme 10 – genug Stoff für einen ganzen Nachmittag.
(Quelle: Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne / MCBA)
The DAPPO take
Unser Favorit für einen Tagestrip: Ruth Asawa plus Constellations in Riehen. Für einen spontanen Zürich-Nachmittag: Lassnig/Munch und danach ins Löwenbräu.Und für eine Ausstellung, die etwas weniger offensichtlich ist: Ted Joans in Lausanne.
Der Kunstherbst muss dabei nicht zur Checkliste werden. Lieber zwei Ausstellungen wirklich sehen als acht abhaken. Die besten bleiben ohnehin meist diejenigen, bei denen man danach noch über ein einziges Werk spricht! //



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