Das Geheimnis von Magazincovers
- Chantale Ehrle

- 1. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Aug.
Warum für DAPPO über 50 Cover entstanden sind, Blickbewegungen analysiert und Leser:innen befragt wurden.

Ein Magazincover entscheidet oft innerhalb weniger Sekunden darüber, ob wir ein Magazin überhaupt in die Hand nehmen. Doch was genau zieht unseren Blick an? Und weshalb wirken manche Cover hochwertig, authentisch und vertrauenswürdig, während andere zwar auffallen, aber trotzdem nicht überzeugen?
Mit diesen Fragen habe ich mich im Rahmen meiner Thesis im Studiengang Multimedia Production an der FHGR beschäftigt. Gleichzeitig entstand daraus die neue Printausgabe von DAPPO; und ein spannendes Zusammenspiel aus Design und Forschung.
Vom Design zur Forschung
Am Anfang stand die Frage, welche gestalterischen Elemente ein Magazincover besonders wirkungsvoll machen. Dafür wurden zunächst Cover internationaler Lifestyle- und Designmagazine wie Kinfolk, British Vogue und Bolero analysiert. Ziel war es, wiederkehrende Gestaltungsprinzipien zu erkennen: Welche Bildwelten dominieren? Welche Farben werden eingesetzt? Wie viel Typografie braucht ein Cover? Welche Rolle spielen Gesichter, Schmuck oder Komposition?
Auf dieser Grundlage entstanden mehr als 50 unterschiedliche DAPPO-Coverentwürfe. Zehn davon wurden für die Untersuchung ausgewählt und bildeten die Basis der Studie.
Wohin fällt der erste Blick?
Im nächsten Schritt folgte ein webbasiertes Eye-Tracking mit 20 Teilnehmenden aus der Zielgruppe. Mithilfe der Frontkamera wurde analysiert, welche Bereiche eines Covers zuerst betrachtet werden und wie lange der Blick dort verweilt.
Dabei zeigte sich ein klares Muster: Gesichter, insbesondere die Augen, ziehen die Aufmerksamkeit fast immer als Erstes auf sich. Auch Schmuckstücke und das DAPPO-Logo wurden regelmässig früh wahrgenommen. Typografie hingegen wird meist erst betrachtet, nachdem sich der erste Blick orientiert hat. Doch Aufmerksamkeit allein reicht nicht aus.
Aufmerksamkeit ist nicht gleich Präferenz
Eine der spannendsten Erkenntnisse der Studie war, dass besonders auffällige Cover nicht automatisch am besten bewertet wurden. Einige Cover erzielten hohe Blickwerte, wurden in den anschliessenden Gesprächen jedoch als überinszeniert oder zu unruhig beschrieben. Andere Cover wirkten ruhiger und reduzierter, erhielten etwas weniger Aufmerksamkeit, wurden aber deutlich häufiger als hochwertig, glaubwürdig und authentisch empfunden.
Ein gelungenes Cover muss also nicht möglichst laut sein. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Gestaltungselemente.
Was macht ein Cover glaubwürdig?
Um die Blickdaten besser zu verstehen, wurden die Teilnehmenden anschliessend zu einer Gruppendiskussion eingeladen. Dort zeigte sich, welche Eigenschaften mit einem positiven Gesamteindruck verbunden werden.
Besonders häufig wurden Cover bevorzugt, die:
eine klare Bildkomposition aufweisen,
Schmuck gut sichtbar inszenieren,
mit harmonischen, warmen Farbtönen arbeiten,
eine zurückhaltende Typografie einsetzen,
und insgesamt natürlich statt überinszeniert wirken.
Authentizität entstand dabei weniger durch Zufälligkeit als durch eine sorgfältig abgestimmte Gestaltung.
Von der Forschung direkt ins Magazin

Die Ergebnisse blieben nicht theoretisch. Sie flossen direkt in die Gestaltung der aktuellen DAPPO Printausgabe ein. Viele Erkenntnisse aus Eye-Tracking und Gruppendiskussion wurden bei der Auswahl und Weiterentwicklung des finalen Covers berücksichtigt. So verbindet dieses Magazin gestalterische Intuition mit empirischer Forschung; und zeigt, wie Designentscheidungen nicht nur kreativ, sondern auch datenbasiert getroffen werden können.
Denn am Ende geht es bei einem gelungenen Cover nicht nur darum, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es soll Neugier wecken, Vertrauen schaffen und Lust machen, das Magazin aufzuschlagen.


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