Art Basel Paris 2026: Drei Ausstellungen, die wir abseits der üblichen Stops sehen würden
Paris wird diese Woche wieder zur Kunststadt im Ausnahmezustand. Vom 23. bis 25. Oktober kehrt Art Basel Paris mit mehr als 200 Galerien in den Grand Palais zurück. Preview Days starten bereits am 21. Oktober. Doch während sich vieles rund um die grossen Namen und Institutionen konzentriert, lohnt es sich gerade jetzt, ein wenig vom offensichtlichen Parcours abzuweichen. Art Basel

Für DAPPO haben wir drei Ausstellungen herausgesucht, die während der Art-Basel-Woche laufen und Paris von einer etwas anderen Seite zeigen: Architektur trifft Skulptur, gefundene Objekte werden zu gesellschaftlichen Kommentaren und eine ikonische Le-Corbusier-Villa wird selbst Teil des Werks.
01 Kennedy Yanko: Ce qui nous rassemble
Cité de l’architecture et du patrimoine · 16. Oktober 2026 – 3. Januar 2027
Wer ohnehin am Trocadéro vorbeikommt, sollte nicht nur wegen der Aussicht auf den Eiffelturm stehen bleiben.

Für das Public Program von Art Basel Paris hat die amerikanische Künstlerin Kennedy Yanko eine neue Werkgruppe für die Cité de l’architecture et du patrimoine entwickelt. Ihre Skulpturen entstehen aus wiederverwendetem Metall und grossen, flexiblen «Paint Skins» aus Acrylfarbe – irgendwo zwischen Malerei, Skulptur und etwas beinahe Körperlichem. Art Basel
Interessant wird die Ausstellung vor allem durch ihren Ort. Yankos Arbeiten stehen zwischen monumentalen Abgüssen historischer französischer Architektur: Portale, Reliefs und Figuren treffen auf gebogenes Metall und intensive Farbflächen. Statt sich gegen die Architektur durchsetzen zu wollen, macht die Kunst plötzlich sichtbar, was normalerweise verborgen bleibt – Konstruktion, Rückseiten, Träger und Spannung.
Es ist diese Mischung aus rohem Material und fast schwereloser Komposition, die hängen bleibt. Eine Ausstellung, die man weniger wie einen klassischen White Cube besucht und mehr wie einen räumlichen Dialog.
DAPPO note: Am besten etwas Zeit einplanen und nicht nur die Werke frontal betrachten. Gerade die Seiten- und Rückansichten gehören hier zur Ausstellung.
(Quelle: Art Basel Paris; Cité de l’architecture et du patrimoine)
02 Katinka Bock: High and Dry
Maison La Roche – Fondation Le Corbusier · 13.–31. Oktober 2026
Vielleicht unser liebster Stop für alle, die genauso wegen Architektur wie wegen Kunst nach Paris fahren.
Die deutsch-französische Künstlerin Katinka Bock zeigt in der Maison La Roche Fotografien und Skulpturen, die direkt auf das Gebäude und seine Nutzung reagieren. Das Haus von Le Corbusier wird dabei nicht einfach zum schönen Hintergrund. Es ist Teil der Arbeit. Fondation Le Corbusier

Bock beschäftigt sich seit Jahren mit Orten, Materialien, Zeit und Veränderung. In High and Dry treffen diese Themen auf eines der Schlüsselgebäude der frühen Moderne. Ihre Arbeiten fragen nach den Übergängen zwischen Innen und Aussen, Architektur und Natur, Stabilität und Veränderung. Journées nationales de l'architecture
Das Ergebnis wirkt bewusst leise. Keine spektakuläre Inszenierung, keine riesigen Projektionen. Stattdessen Details, Materialien und kleine Verschiebungen, die einen dazu bringen, die Räume der Maison La Roche anders wahrzunehmen.
Genau deshalb passt die Ausstellung gut in eine Art-Basel-Woche, in der man schnell visuell übersättigt sein kann.
DAPPO note: Nicht zwischen zwei Terminen hineinpressen. Das Haus selbst ist mindestens die Hälfte des Erlebnisses.
(Quelle: Fondation Le Corbusier; Art Basel Paris)
03 Ladji Diaby: Godspeed You Black Emperor
Crèvecœur, 9 rue des Cascades · bis 28. November 2026
Für den dritten Stop geht es weg von den grossen Institutionen und hinein in die Galerie.
Ladji Diaby arbeitet mit gefundenen Objekten, Materialien und Erinnerungen – Dingen, die bereits ein Leben hinter sich haben. Seine aktuelle Ausstellung bei Crèvecœur beschäftigt sich mit Waren, Zirkulation, Arbeit und den Geschichten, die sich hinter scheinbar banalen Gegenständen verbergen.

Diaby beschreibt seine eigene Praxis über Erinnerung und Material: Dinge werden gefunden, aufgenommen, miteinander verbunden und aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst. Gerade dadurch erhalten sie eine neue politische und emotionale Spannung. Sein Blick richtet sich unter anderem darauf, welche Wege Produkte zurücklegen, wer sie herstellt, transportiert und konsumiert. Galerie Crevecœur
Die Ausstellung fühlt sich dadurch weniger abgeschlossen an als viele klassische Präsentationen. Eher wie ein fortlaufender Prozess – ein Raum, in dem Objekte plötzlich Spuren von Wirtschaft, Migration, Alltag und persönlicher Geschichte tragen.
Nach seinem Auftritt bei Lafayette Anticipations im vergangenen Jahr gehört Diaby für uns zu den Künstlern, die man jetzt im Auge behalten kann. Art Basel
DAPPO note: Wer während Art Basel nach einer Galerie sucht, bei der nicht bereits zehn Reisegruppen vor der Tür stehen, könnte hier richtig sein.
(Quelle: Crèvecœur; Art Basel)
Why these three?
Natürlich kann man diese Woche auch Warhol, Cézanne, Twombly oder die grossen internationalen Galerie-Shows sehen. Aber Paris während Art Basel funktioniert für uns am besten, wenn man die Messe mit kleineren Umwegen verbindet.
Kennedy Yanko für Material und Monumentalität.
Katinka Bock für Architektur und Ruhe.
Ladji Diaby für eine jüngere, gesellschaftlich aufgeladene Perspektive.
Drei Ausstellungen, die sehr unterschiedlich sind – und gerade deshalb einen guten Gegenpol zum Grand Palais bilden.
At a glance:
Art Basel Paris
Grand Palais23.–25. Oktober 2026Preview: 21.–22. Oktober 2026 Art Basel
Kennedy Yanko – Ce qui nous rassemble
Cité de l’architecture et du patrimoine16.10.2026–03.01.2027 Cité de l'architecture & du patrimoine
Katinka Bock – High and Dry
Maison La Roche – Fondation Le Corbusier13.–31.10.2026 Fondation Le Corbusier
Ladji Diaby – Godspeed You Black Emperor
Crèvecœur, Paris11.09.–28.11.2026 Galerie Crevecœur
The DAPPO take: Do the fair, but leave room for the detours. In Paris, they are usually where the interesting part begins.



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