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“Ein einziges Wort: Liebe”. Ein Gespräch mit ADELE über Erinnerung, Kunst und einer geteilten Vision

Seit Evas Tod ist Adele allein, und doch ist das „Wir“ weiterhin spürbar. In jedem Detail, in jedem Objekt, in jeder Geste lebt das gemeinsame Werk fort. Zwischen

biografischen Skulpturen, Fotografien und persönlichen Relikten sprechen wir über Verlust, Kontinuität und die Kraft, eine künstlerische Vision weiterzutragen, die immer mehr war als nur Performance: ein gelebtes Manifest.



Ich treffe Adele in ihrer Wohnung und ihrem Atelier in Berlin. Die Räume wirken wie ein lebendiges Archiv – durchzogen von Farbe, Erinnerung und künstlerischer Präsenz. Vieles erzählt von einem gemeinsamen Leben, von einer radikalen Idee von Identität und Kunst, die Eva & Adele über Jahrzehnte verkörpert haben.

Ein Gespräch über Liebe, Erinnerung und die Unsterblichkeit der Kunst.



Welche Erinnerungen oder gemeinsamen Momente mit Eva begleiten dich aktuell besonders intensiv durch deinen Alltag?

Vor allem Evas Lächeln. Wenn wir morgens aufgewacht

sind, haben wir uns immer zuerst angelächelt, das war

unser Start in den Tag. Heute lächle ich ihr Foto an, und

es lächelt zurück. Und dann sind da diese kleinen Rituale:

Kaffee und Kuchen zum Beispiel, das war ihre grosse Lei-

denschaft. In solchen Momenten ist sie mir besonders nah.


Hat sich dein Blick auf Kunst, Öffentlichkeit und Per-

formance seit diesem Verlust verändert?

Nein. Der Verlust ist Realität, mein Alleinsein auch –

aber meine Haltung zu Kunst, Gesellschaft und Begeg-

nung ist dieselbe geblieben. Vielleicht bin ich heute als

Einzelperson etwas kommunikativer. Als Duo war vieles

auf Synchronität ausgelegt – unsere Bewegungen, unse-

re Gespräche, das hatte auch etwas sehr Theatrales, fast

Bühnenhaftes. Jetzt zeige ich mich offener, auch wenn

ich weiterhin das gemeinsame Werk repräsentiere.


Ihr wart eurer Zeit oft voraus. Welche eurer Visio-

nen erscheinen dir heute besonders relevant?

Besonders wichtig ist, dass queere Menschen heute viel

selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind und frei

leben können. Als wir Ende der 80er Jahre in Berlin ge-

arbeitet haben, war die Stimmung deutlich kälter. Ich

glaube, und hoffe auch, dass unser Werk zu mehr To-

leranz und Offenheit beigetragen hat. Wir haben unser

Bild bewusst in die Welt getragen. Und wir wissen, dass

es Wirkung hatte: Es gibt viele Zuschriften von Men-

schen, die uns schreiben, dass wir sie auf ihrem eige-

nen Weg begleitet haben – etwa mit Worten wie: „You

have been the guiding stars of my own gender journey.“


Wie möchtest du das künstlerische Erbe, das

ihr gemeinsam geschaffen habt, in Zukunft

weiterführen oder vielleicht neu interpretie-

ren?

Adele: Ein wichtiger Schwerpunkt sind derzeit

biografische Skulpturen. Das sind Objekte aus

unserem Leben und unseren Performances.

Einige davon werden bereits in internationalen

Ausstellungen gezeigt; unter anderem auf der

Biennale in Lyon sowie im Museum der Mo-

derne Salzburg, im Georg Kolbe Museum und

in der Nationalgalerie der Gegenwart. Parallel

arbeite ich an einer Publikation, die 2027 er-

scheinen wird und sich ganz diesen Skulpturen

widmet.



Gibt es neue Projekte oder Ausdrucksfor-

men, die du jetzt als Einzelperson erkunden

möchtest?

Wir haben immer medienübergreifend gearbei-

tet – und genau dabei bleibt es auch.


Welche Rolle spielt Berlin heute für dich als

Ort eurer Geschichte und deiner weiteren

Entwicklung?

Berlin ist meine Heimat. Und die künstlerische

Heimat von Eva & Adele. Ich liebe diese Stadt.

Sie bietet eine unglaubliche kulturelle Vielfalt:

von Renaissance-Malerei über Oper bis hin zu

zeitgenössischer Kunst, und gleichzeitig ist man

schnell im Grünen. Dazu kommen die vielen in-

spirierenden Menschen und Künstlerinnen und

Künstler, mit denen ich eng verbunden bin.


Viele Menschen haben euch als Symbol für

tiefe Verbindung erlebt. Was möchtest du,

dass von dieser Botschaft in Zukunft bestehen

bleibt?

Ein einziges Wort: Liebe.


Wenn du an die kommenden Jahre denkst –

was treibt dich künstlerisch und persönlich

an?

Mich treibt an, mein ganzes Potenzial weiterhin

in das Werk von Eva & Adele zu geben. Es ist für

mich auch eine Form der Würdigung unserer

gemeinsamen Zeit und unseres gemeinsamen

Lebens.



Und zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welche emotionale Bedeutung haben die zwei Armbänder von Lesunja für dich?

Die Armbänder bestehen aus Schmuckstücken, die Eva getragen hat – ich trage also Originalteile von ihr. Für mich sind sie zugleich persönli-

che Erinnerungen und Kunstwerke. Sie werden Teil einer zukünftigen biografischen Skulptur

sein – das ist bereits festgelegt. Es ist etwas sehr Schönes, ihre Schmuckstücke weiterhin in die Welt zu tragen.



 
 
 

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