Galerie 94: Licht, Zeit und die Kunst des Hinschauens
- Chantale Ehrle

- vor 2 Tagen
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Es gibt Galerien, die Kunst zeigen. Und es gibt Orte, die einen dazu bringen, anders zu sehen. Die Galerie 94 in Baden gehört zur zweiten Kategorie. Untergebracht im ehemaligen Merker-Speditionsgebäude verbindet sie industrielle Architektur mit fotografischer Kunst auf eine Weise, die ebenso reduziert wie eindrucksvoll wirkt. Werke, die bewusst Raum zum Nachdenken lassen.
Hinter der Galerie steht Sascha Laue, der sich seit Jahrzehnten mit Leidenschaft der Fotografie widmet. Bereits in den 1990er-Jahren prägte er mit der damaligen Photogalerie 94 die Schweizer Fotoszene. Nach einer längeren Pause kehrte er 2015 mit einer klaren Vision zurück: Fotografie nicht als schnelle Bilderflut zu präsentieren, sondern als Medium für Beobachtung, Reflexion und Dialog.
Diese Haltung prägt das Programm bis heute. Die Galerie zählt zu den wenigen Institutionen in der Schweiz, die sich konsequent der Fotografie widmen, und ist die einzige ihrer Art im Kanton Aargau. Internationale Positionen treffen hier auf Schweizer Stimmen, dokumentarische Arbeiten auf künstlerische Experimente. Entscheidend ist dabei weniger die Bekanntheit eines Namens als die Qualität der fotografischen Sprache.
Im Mai und Juni 2026 widmete sich die Galerie 94 dem Fotografen Sandro Livio Straube. Mit Unsortiert – Ein offenes Archiv, 2009–2026 zeigt er eine Arbeit, die sich bewusst der Perfektion kuratierter Bildwelten entzieht. Statt einer abgeschlossenen Serie entsteht ein offenes Archiv aus Fragmenten, Beobachtungen und Fotografien, die über siebzehn Jahre hinweg entstanden sind. Die Ausstellung lädt dazu ein, Bilder neu zu lesen und darüber nachzudenken, wie Erinnerung und Wirklichkeit miteinander verwoben sind.

Neben dem aktuellen Ausstellungsprogramm vertritt die Galerie 94 auch internationale Positionen wie den nigerianischen Fotografen Rob Omodiagbe. Seine eindringlichen Porträts verbinden zeitgenössische afrikanische Bildwelten mit einer klaren fotografischen Sprache und erweitern das Programm der Galerie um eine internationale Perspektive.
Rob Omodiagbe gehört zum Künstlerportfolio der Galerie 94 und ist international vertreten, unter anderem bei Light Works in Sydney. Seine Porträts verbinden Identität, Mode und zeitgenössische afrikanische Bildkultur.
Ein Ausblick gilt bereits dem Herbst: Am 8. Oktober 2026 eröffnet die Galerie 94 eine Doppelausstellung mit der schweizerisch-amerikanischen Künstlerin Chrissy Angliker und dem russischstämmigen Fotografen George Mayer, der heute in den USA lebt. Angliker ist der Galerie seit vielen Jahren verbunden und wird bereits zum sechsten Mal präsentiert. Zwei ihrer Einzelausstellungen waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. George Mayer ist erstmals in der Schweiz zu sehen und wird exklusiv von der Galerie 94 vertreten.
Die Galerie 94 erinnert daran, dass Sehen mehr ist als Konsumieren. Es ist eine Form der Aufmerksamkeit. Mit ihrer Teilnahme an der Photo Basel 2026 war die Galerie zudem Teil des internationalen Dialogs rund um die zeitgenössische Fotografie.


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